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CHRISTINE REIFENBERGER

FUGUE DE PAPIER

10. September - 7. Oktober 2016

Zur Vernissage am Freitag, dem 9. September 2016
von 18.30 bis 21 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.
 
Einführung: Dr. Petra Oelschlägel, Kunstmuseum Villa Zanders

Die Galerie nimmt am Bonner SAISONSTART, am 10. September, 12 -19 Uhr teil.

Die Ausstellung ist bis zum 28. Oktober 2016 verlängert.

Die Malerei von Christine Reifenberger entwickelt aus Naturerfahrungen vegetabile Gebilde und Strömungen. Neben Ihren zweidimensionalen Arbeiten auf Papier und Leinwand, nutzt die Malerin das Papier, um Farbflächen in den Raum zu wenden. Christine Reifenberger dreht, wölbt und faltet das Papier. Neon, Phosphor, Erd- und Metallpigmente ergeben zusammen mit der Temperafarbe eine irisierend offene Stofflichkeit der Oberflächen. So werden Licht, Raum, Geste und Materialität zum Thema ihrer Malerei.

Die Künstlerin untersucht Zustände, Übergänge und Verwandlungen. Ihre Malerei ist in der Polarität von Entstehen lassen und Eingreifen angesiedelt. DIe Experimente führen sie in die Welt des Barocks, der Arabeske und der Musik, um nur einige zu nennen... So entstehen eigentümlich schwebende, flirrende, rotierende, tanzende und sich auflösende Formen. In diesem Spiel aus Bewegung und Erstarrung, Leichtigkeit und Gewicht durchforscht Christine Reifenberger auf spannende Weise den Raum zwischen Malerei und Objekt.
 
Eine Dokumentation über die Künstlerin Christine Reifenberger in Ihrem Atelier wird vom WDR in der Sendung WestArt am Montag, 26. September 2016 um 22.40 Uhr gesendet.
 
 
 1964 geboren in Waldsassen, Bayern
 1985-1988 Bayrische Staatsoper München, Theatermalerlehre
 1989-1991 Akademie der Bildenden Künste München, Studium bei Prof. Daniel Spoerri
 1992-1998 Kunstakademie Düsseldorf, Studium bei Prof. A.R. Penck u. Prof. Gotthard Graubner
 1999 Kunstpreis der Jakob Eschweiler Stiftung Köln
 2003 Plener Stipendium Wrozlaw, Polen
 2014 Arbeitsaufenthalt London, RAUMX 
2015/16 Mentorin für Bildende Künstlerinnen, Kulturbüro Rheinland-Pfalz

Lebt und arbeitet in Andernach/Kell und in Köln.

www.christine-reifenberger.de

 

Bisherige AusstellungenB

 

EINZELAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL):

2018 Museum Kunstarchiv Kaiserswerth, Düsseldorf
2017 kjubh, Kunstverein Köln
2016
nachtmeerfahrt, Galerie cora Hölzl, Düsseldorf
fugue du papier, Galerie Carla Reul, Bonn
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
2015
Phosphor, Galerie Natalia Laue Frankfurt
Nocturne, Neuer Kunstverein Giessen
Aqua Alba, kunst turm mücke, Giessen
Arabesque, Galerie Esther Verhaeghe, Brüssel
2014 Morph RAUMX projectspace London
2013
Vertigo, Galerie Cora Hölzl, Düsseldorf
new unities, Galerie Esther Verhaeghe, Brüssel
2012 Rocaille, Schloss Neudrossenfeld
2011 Sicheln, Haus Schlangeneck
2010
leaves, Galerie Carla Reul, Bonn
flores, Kunstverein Kirchzarten, Freiburg
2009 Galerie Susanne Albrecht, Berlin
2008 Galerie Cora Hölzl, Düsseldorf
2007 Museum Insel Hombroich Literatur-u.Kunstinstitut
2004 Christine Reifenberger Projektraum Harald Bongartz, Düsseldorf
2003 Galerie Sztuki Wspolczesnej Kepno bei Breslau, Polen
2002 Farbluft, Polnisches Institut Düsseldorf
2000 Galerie Aphold, Basel
1997 Industrieclub Düsseldorf
1995 Kunstmuseum in der Tonhalle Düsseldorf
1994 Spektakel, Museum am Ostwall, Dortmund
1992 aus druck auf papier, Museum Katharinenhof in Kranenburg

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL):

2011 Künstler für Halle 10, Köln
2010 „Aussicht“, Galerie Haus Schlangeneck, Euskirchen
2003 Galerie Sztuki Wspólczesnej Kepno bei Breslau, Katalog
2002 „Farbluft“, Polnisches Institut Düsseldorf
2000 Galerie Aphold Basel
2007 Kunstverein Hochfranken Selb, Katalog
1998 Galerie Aphold, Basel
1994 „Spektakel“, Museum am Ostwall, Dortmund
1992 „aus druck auf papier“, Museum Katharinenhof in Kranenburg, Katalog

Sammlungen:

  • Hypo-Kulturstiftung München
  • Bundesministerium für Umwelt Berlin
  • Sammlung Hanck Düsseldorf
  • Kunstsammlung des Landes Rheinland Pfalz
  • Sammlung Deutsche Bank Frankfurt
  • Kunstarchiv Kaiserswerth, Düsseldorf
  • Sammlung Volker Kahmen, Stiftung Insel Hombroich
  • Museum Insel Hombroich

 

 

Christine Reifenberger            fugue de papier

Die Landschaft und Naturerfahrung sind sicher das, was all ihrem Handeln zugrunde liegt und was man gerade auch bei der Wahl der Titel -  wenn sie welche gibt – auch nachvollziehen kann.Für Christine Reifenberger ist die Farbe als Malerin natürlich das eine was grundlegend ist. Es geht aber viel mehr darum, mit Farbe einer gewissen Erfahrung Ausdruck zu geben, einer Erfahrung in der Natur, des sich Bewegens, des Ein-und Ausatmens, des in einer Landschaft, in einem Raum seins. Und da hat Christine Reifenberger für sich Wege entfaltet, die eigentlich immer mit dem direktesten Zugang beginnen, nämlich mit einem zeichnerischen Zugang.Was man den malerischen Arbeiten hier vielleicht nicht auf den ersten Blick ansieht, ist eine ganz starke Beschäftigung mit der Linie, mit dem Zeichen oder auch mit dem Aufnehmen von Gedanken und Skizzen im Medium der Fotografie.Das sind dann Ideen, Gedankenstützen, die sie weiterbeschäftigen und die dann zum Prozess des Malens führen, wobei sie über die Station der Malerei mit Acrylfarbe (die relativ kurz währte), sich einer Maltechnik zugewandt hat, die schon darauf fußt, dass man sehr viel selber macht.

Die Arbeiten, die in dieser Ausstellung zu sehen sind, egal ob auf Papier oder auf Leinwand sind mit Eitempera gemalt. Christine Reifenberger benutzt ganz verschiedene Pigmente, teilweise seltene, die sie von Reisen mitbringt und die es hier nicht gibt. Sie mischt die Farben selber an und hat dann ein Malmittel, das sich ganz wunderbar verarbeiten lässt und dann Eigenschaften hat, die ihr erlauben, sowohl mit dünnem Auftrag lasierend oder stark mit Wasser verdünnt zu arbeiten. Und dies ist ein Phänomen, das man allen Arbeiten von ihr ansehen kann, das Wasser, das Fließen, das was Bewegung sichtbar macht, was teilweise einen Malprozess verschleiert weil man das Gefühl hat, diese Arbeiten entstehen aus einer Fließbewegung, die sie gar nicht selber steuert, sondern dass das Wasser mitmalt.

Seit 2009 bearbeitet die Künstlerin Papier nicht einfach nur flächig malerisch, sondern es wird berührt und als Material begriffen. So haben die Papierarbeiten, die man aktuell in der Ausstellung sehen kann, Strukturen, die von einer manuellen Bearbeitung im feuchten Zustand, einem Knüllen, Glattstreichen, Falten , Knittern, einem Farbauftrag der dann verkrustet, herrühren. Es ist eine physische Bearbeitung, eine zeitdarstellende Tätigkeit, die Hoch-Tiefstrukturen entstehen lassen, wo das Licht ganz anders mit arbeiten kann, als bei flächigen Arbeiten.Die Beschäftigung mit der Natur findet in diesen neuen Arbeiten immer mehr einen Ausdruck, sei es über die Farbigkeit, sei es über kleine Strukturen, die sich in den trocknenden Zonen bilden, die vielleicht an Flechten erinnern, an Moose, an Blätter an Blüten, an Partikel von Pflanzen oder eben wenn man den mikrokosmischen Bereich ansieht, an Zellstrukturen oder Ähnliches.. Man kann es aber auch als eine wie aus einer Vogelperspektive erscheinende Landschaft sehen – es gibt so viele verschiedene Lesarten. Bei einigen Arbeiten, denen sie Titel gibt, wird der Blick ein wenig reduziert. Auch dann sind die Titel häufig so, dass sie entweder botanische Namen referieren oder rein über die Farbe die Gedanken des Betrachters ein wenig richten.Es sind  eigentlich Farblandschaften, Naturabbildungen, die es dem Betrachter ermöglichen, sich vollkommen darauf einzulassen und darin zu verlieren und darin selber zu wandern.

Als Christine Reifenberger 2009  begann, das Papier nicht mehr nur flächig zu bearbeiten, hat sie es auch verletzt, gerissen, die rechteckige Form verlassen und in den folgenden Monaten immer freier die Fläche ins Volumen überführt und herausgefunden, dass man mit Papier bildhauerisch arbeiten kann, wobei  ich immer betonen würde, dass es sich nicht um Skulptur handelt sondern um Malerei auf einem anders geformten Trägermaterial.Bei den beiden Arbeiten in der Ausstellung, die von der Decke hängen, bestimmt Christine Reifenberger einen Punkt von dem sie hängen. Es gibt keine Vorder- u. Rückseite, auf leichten Luftzug schweben und  pendeln diese Arbeiten ganz leicht im Raum und strecken einem unterschiedliche Seiten entgegen.  Es gibt Falten, Wölbungen, eigentlich eher barocke Elemente,  und da sind wir bei einer Zeit bzw. einem Phänomen, das für Christine Reifenberger auch sehr wichtig ist, nämlich die Beschäftigung mit dem Barocken,  der opulente Faltenwurf, egal ob in der Malerei  oder in der Dekoration,  in der Bearbeitung von Möbelstücken  oder Ähnlichem immer ganz bedeutsam war. Das Barock ist eine Phase, mit der sich Christine Reifenberger sicher auch durch ihre Affinität zur Musik intensiver beschäftigt hat und es ist in manchen Arbeiten wie ein Schwelgen in der Struktur der Falte.

Die Pigmente wählen ihren eigenen Weg – es kommt zu Konzentrationen, zu Verläufen, zu sehr stark farbigen vom Wasser verwischten Zonen, die uns ganz unterschiedlich in den Bann ziehen. Mal erkennt man mehr Papier, was durch diese Farbzonen schimmert und mal können aber auch die teilweise neonfarbigen und metallfarbigen Pigmente so stark wirken, dass man sich die Augen zukneifen muss. Das was sich hier uns gegenüber befindet, kann von weiten an Draperien, an Textiles erinnern. Es kann aber auch an Anfänge von Metall, an Scharfkantiges erinnern, dann sind es die skulpturalen Phänomene, die in den Vordergrund gelangen.Dass dieses geformte Papier diese Position einnimmt und hält, liegt u.a. an dem verwendeten Malmittel der Eitempera, die beim Aushärten wie eine Fixierung des Ganzen wirkt, sodaß diese Form auch wirklich unverrückbar der Malerei eingeschrieben ist.

Form und Farbe interagieren und bilden ein Gemeinsames. Das, was in der Kunstbetrachtung immer wieder als Interaction of Colour bezeichnet wird, ist hier einmal in einer ganz anderen Weise gezeigt. Die eigentlich, das was man von einem Bild erwartet, die konterkarierende Art  wie Christine Reifenberger uns etwas präsentiert und deutlich macht das ist Bild und fordert einiges an Mitmachen und Mitbewegen.Die Positionierung nicht nur der Form sondern auch dieser Form im Raum, führt vielleicht ein wenig dahin, wo Christine Reifenberger  auch herkommt. Das Inszenieren bzw. das Überlegen, wie etwas dargestellt wird, hat sie sicher sehr früh aufgenommen als  sie sich vor ihrem Studium im Theater mit der Ausbildung von Kulissen und Bühnenmalerei beschäftigt hat und tatsächlich es immer wieder um etwas in Szene setzen ging. Sie schafft Kraftfelder, sowohl in ihren Leinwänden als auch in den  dreidimensionalen Arbeiten und immer sind es dann feine Linien und Linienfelder, die in der Binnenstruktur zu finden sind.

Das fußt immer auf ihrer Beschäftigung  mit der Natur und es gibt eine Äußerung von Émile Zola, die auf sehr schöne Art zusammenfasst, womit Christine Reifenberger sich beschäftigt:

„Malerei ist die Natur durch ein Temperament gesehen.“ Und dies ist eine Menge Temperament die da mitgebracht wird, um wirklich diesen Weg zu nehmen, von der Fläche in die Dreidimensionalität, von der Erwartung an ein Bild hin zu etwas was Malerei hinterfragt.So sehr das Kunstwerk Ausdruck eines Individuums ist, so sehr vermag sie gleichzeitig mit der Erkenntnis der Natur einen neuen Aspekt hinzuzufügen.

Aus der Eröffnungsrede von Frau Dr. Petra Oelschlägel am 9. September 2016